Einwandbehandlung ohne Druck: der „rosarote Elefant“
- Christian Häring

- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Einwände sind kein Nein. Sie sind ein Zeichen von Interesse – und die vielleicht wertvollste Einladung, Vertrauen aufzubauen. Mit Preframing nimmst du Hürden vorweg, stärkst Kundenvertrauen und erhöhst deine Abschlussquote – werteorientiert und ohne Druck.
Warum Einwände entstehen – und warum sie gut sind
Im echten Vertriebsalltag kommen sie immer: „Das ist zu teuer.“ „Ich muss das erst mit meinem Chef besprechen.“ „Schicken Sie mir Infos per Mail.“ Diese Sätze sind normal und sogar hilfreich, denn sie zeigen, dass sich der Kunde mit deinem Angebot beschäftigt – Interesse ist da, Klarheit noch nicht. Dein Job ist nicht, den Einwand wegzudiskutieren, sondern die Absicht dahinter zu verstehen:
- Unsicherheit (es fehlen Informationen)
- Vergleich (Alternativen abgleichen)
- Schutzmechanismus (keine vorschnelle Entscheidung
Typische Kategorien hinter Einwänden sind
- Bedarf
- Dringlichkeit
- Vertrauen
- und Budget
Das zu erkennen, macht deine Gesprächsführung präziser.
Die Technik: Preframing – den Elefanten im Raum ansprechen
Preframing bedeutet: Du sprichst mögliche Bedenken proaktiv an, bevor der Kunde sie selbst formuliert. Damit nimmst du Druck und signalisierst Transparenz. Das wirkt, weil du zeigst, dass du nichts zu verbergen hast, offen kommunizierst und die Perspektive des Kunden kennst. Die Methode ist in Vertrieb und Kommunikation vielfach beschrieben: Einwände vorwegnehmen, den Bezugsrahmen setzen, Erwartungen managen – statt reaktiv zu kontern, steuerst du den Kontext aktiv und schaffst Vertrauen.
Beispiel (Preis‑Einwand, B2B):„Wir sind nicht der billigste Anbieter – falls du primär über den Preis entscheidest. Warum? Wir investieren in Qualität, persönliche Betreuung und nachhaltige Ergebnisse. Für dich heißt das: weniger Risiko, mehr Sicherheit und langfristiger Erfolg.“
Wichtig: Nach dem Preframing müssen gute Argumente und Kundennutzen folgen – sonst wirkt es wie eine Ausrede.
Preframing als Warm‑up
Verkaufen ohne Preframing ist wie ein Marathonstart ohne Aufwärmen: Der Körper ist kalt, die Bewegungen holprig, kleine Widerstände fühlen sich wie große Hürden an. Das Warm‑up (Preframing) bringt deinen Gesprächsfluss auf Temperatur: Erwartungen klären, Ziele benennen, Rahmen setzen. So gehst du mit Lockerheit in die „Wettkampfsituation“ – und kannst Tempo machen, wenn Kaufsignale auftauchen.
Struktur und Umsetzung – Schritt für Schritt
Vorbereitung: Welche Einwände erwarten dich vorraussichtlich?
Mögliche Einwände vorwegnehmen: Preis, Timing, Autorität („Ich muss das intern klären“), Wettbewerb.
Nutze dabei die Kategorien Bedarf/Dringlichkeit/Vertrauen/Budget als Leitplanken.
Nutzenargumentation verbinden: Merkmale → Vorteile → Nutzen, ggf. mit „Zeugen“ (Referenz).
Fragen statt Floskeln: Kläre Entscheidungswege („Wer ist involviert?“), Kriterien („Was muss erfüllt sein?“), Risiken („Wovor möchten Sie sich schützen?“).
Kaufsignale erkennen und zum Abschluss führen: Wenn der Kunde nach konkreter Umsetzung, Zeitplan oder Verantwortlichkeiten fragt, öffnet sich oft das Zeitfenster für die Abschlussfrage – nutze es.
Praxisbeispiele (B2B)
„Zu teuer“ → Werte‑Frame: „Gut, dass Sie auf Wirtschaftlichkeit achten. Lassen Sie uns den Gesamtnutzen betrachten: geringeres Ausfallrisiko, schnellere Implementierung, messbare Effekte in Ihrem Prozess. Damit sichern Sie ROI statt nur Preis.“
„Ich muss das mit meinem Team besprechen“ → Autoritäts‑Frame: „Welche Entscheidungskriterien nutzt Ihr Team? Ich stelle Ihnen gern eine 1‑seitige Entscheidungsgrundlage zusammen, inkl. Risiken/Alternativen und einer kurzen TCO‑Übersicht.“
„Wir arbeiten bereits mit einem Anbieter“ → Wettbewerbs‑Frame: „Völlig nachvollziehbar. Darf ich drei Vergleichskriterien vorschlagen, die häufig übersehen werden – Integrationsaufwand, Service‑Level im Betrieb, Langzeit‑Kosten? Dann prüfen wir nüchtern, ob ein Wechsel überhaupt Sinn macht.“
Mindset: Einwand = Vertrauensangebot
Große Vertriebsstudien und Praxisguides zeigen: Einwände sind normal, erwartbar und eine Chance, Glaubwürdigkeit zu festigen – ohne Druck. Wer aktiv vorwegnimmt und ehrlich adressiert, stärkt Beziehung und Differenzierung.
Wenn du das Thema vertiefen willst: In unserem 2‑tägigen Seminar „Die 10er‑Formel der Einwandbehandlung“ lernst du zehn praxiserprobte Techniken, um Einwände souverän zu nutzen und deine Abschlussquote deutlich zu steigern
Und immer dran denken: wert(e)voll verkaufen.




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